25 | 05 | 2017

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Geschichte der Editio Coloniensis

Die ersten Gesamtausgaben

Eine erste Gesamtausgabe der Werke des mittelalterlichen Universalgelehrten Albertus Magnus (1200-1280) wurde im 17. Jahrhundert vom Dominikanerorden initiiert. 1644 bestellte der Ordensmeister Thomas Turcus eine Editorengruppe unter Leitung von Petrus Jammy und überwachte den Druck. Die Gesamtausgabe wurde auf 25 Bände berechnet, von denen aber letztlich nur 21 erscheinen konnten: Der Grund hierfür waren Streitigkeiten mit der Druckerei, in deren Folge 1651 die Ausgabe eingestellt wurde. Die Editorengruppe arbeitete zwar noch bis 1654 weiter, doch das von ihnen gefertigte Manuskript der noch fehlenden Bände ist verschollen. Obwohl die handschriftlichen Vorlagen zum Teil schlecht waren, wurde mit dieser in Lyon gedruckten Ausgabe, der „Editio Lugdunensis", in wenigen Jahren eine beachtliche Leistung vollbracht. Die unvollkommen erhaltene Korrespondenz zeigt, dass überraschend viele europäische Bibliotheken nach Handschriften der Werke Alberts durchsucht wurden. Verloren ist auch ein im Verlauf der Editionsarbeit erstellter und aktualisierter Katalog der Werke Alberts, der aber wohl von J. Quetif und J. Echard 1719 für den Band Scriptores Ordinis Praedicatorum verwendet wurde.

1890-99 besorgten Auguste und Émile Borgnet einen Nachdruck der ersten Werkausgabe bei Vivès in Paris. Zu dieser „Editio Parisiensis" schreibt Wilhelm Kübel, der ehemalige Leiter des Albertus-Magnus-Instituts: „Überdies haben die Herausgeber die Zuverlässigkeit des Textes noch dadurch vermindert, daß sie die Bibelstellen nach der Sixto-Clementina sowie Zitate aus den Vätern veränderten und schwierige Stellen durch willkürliche Konjekturen zu bessern versuchten." (LThK II 2.Aufl. 1958, Sp.608)

Die Gründung des Albertus-Magnus-Instituts in Köln

Die Heiligsprechung Alberts des Großen im Jahre 1931 war der äußere Anlass, eine neue Edition der Werke in Planung zu nehmen, die die alten unvollständigen und unzureichenden Ausgaben auf Dauer ablösen sollte. Der Weg hierzu war wissenschaftlich bereitet durch eine langjährige intensive Forschungsarbeit, die insbesondere auch das Bedürfnis nach einer kritischen Ausgabe aufgezeigt hatte. Als Hauptinitiator ist Heribert Christian Scheeben, ein ehemaliger Dominikaner, zu nennen. Er konnte den damaligen Provinzial der deutschen Dominikaner, Laurentius Siemer, für das Projekt begeistern. Auf Scheebens Initiative hin beschloss die Görres-Gesellschaft auf ihrer Jahrestagung 1930 in Köln, sich die kritische Ausgabe der Werke des Albertus Magnus zu eigen zu machen.

Es wurde eine Kommission eingesetzt, bestehend aus den bedeutenden Mittelalterspezialisten Martin Grabmann, Adolf Dyroff, Artur Schneider, Bernhard Geyer und Franz Pelster. Sie sollte die Umsetzung des Projektes planen. Auch versicherte man sich der Mitarbeit der Dominikaner, die Geld für die ersten Arbeiten verfügbar machten. Der Kölner Kardinal Joseph Schulte förderte das Unternehmen und stellte ihm für eine Zentrale in Köln Räume zur Verfügung. Angestrebt wurde eine internationale Zusammenarbeit. Bei einem ersten Treffen der von der Görres-Gesellschaft eingesetzten Kommission wurde aber schon deutlich, dass außer Bernhard Geyer niemand bereit war, aktiv an der Albert-Ausgabe mitzuwirken: „... alle hatten wie bei der Einladung zum Gastmahl im Evangelium eine andere Entschuldigung", heißt es in Geyers späterem Bericht über die Anfänge des Albertus-Magnus-Instituts. Für ihn war von diesem Zeitpunkt an klar, dass er selbst für die Albert-Ausgabe verantwortlich sein würde.

Er überzeugte Kardinal Schulte davon, dass eine Zusammenarbeit mit der Görres-Gesellschaft unmöglich sei, da ein solches Editions-Projekt nicht von mehreren Institutionen geleitet werden könne, und setzte durch, dass die Görres-Gesellschaft sich aus dem Projekt zurückzog. Kardinal Schulte schuf mit der Umwandlung der Albertus-Magnus-Akademie in das Albertus-Magnus-Institut den institutionellen Rahmen für die Edition. Die Albertus-Magnus-Akademie war 1922 auf Anregung des Kardinals durch die deutschen Bischöfe als Katholisches Institut für Philosophie in Köln gegründet worden. Sie hatte den Auftrag, „unter Anknüpfung an die Fülle des bereits gesicherten Forschungsgutes den Gehalt besonders der klassischen Werke der scholastischen Philosophie, in erster Linie der thomistischen, aus den Quellen festzustellen und mit dem Rüstzeug moderner wissenschaftlicher Methodik kritisch und systematisch zu verarbeiten" (Wladislaus Switalski, Denkschrift über die Gründung und Einrichtung des Institutes). Die Gründung erwies sich aber von Anfang an als verfehlt: Es bestand kein Bedarf nach einem solchen außeruniversitären Institut. Bereits 1929 wurde der Vorlesungsbetrieb eingestellt. Die Gründung des Albertus-Magnus-Instituts bot nun die Möglichkeit, dieses Projekt diskret umzufunktionieren.

Die Verhandlungen mit dem Dominikanerorden gestalteten sich auch schwierig. Schon zwischen der Görres-Gesellschaft und dem Orden war es zu Unstimmigkeiten gekommen. Die Gesellschaft hatte nicht die finanziellen Mittel zur Realisierung der Ausgabe, wollte sie aber weder an die Dominikaner, noch an Köln abtreten. Unterdessen waren am Istituto Storico Santa Sabina in Rom Vorarbeiten für die Edition eigenständig vorangetrieben worden, Projekte waren bereits vergeben. Die Görres-Gesellschaft beauftragte schließlich Geyer damit, eine einvernehmliche Lösung herbeizuführen. Pater Gabriel Théry, der Leiter des römischen Instituts, zeigte sich durchaus kooperationsbereit. Er machte den Vorschlag, den Druck der Ausgabe der Vatikanischen Druckerei zu übergeben. Hierüber kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung, in die sich auch Heribert Christian Scheeben leidenschaftlich einmischte. Kardinal Joseph Schulte nahm sich der Sache schließlich an, die in Rom einige Verstimmung bewirkt hatte, ein. Den eigentlichen Initiator der neuen Edition, Scheeben, schloss er von der weiteren Mitarbeit an der Ausgabe aus. Aber auch der Dominikanerorden zog sich nun aus der Edition zurückzog, wenngleich einzelne Dominikaner später als Editoren tätig wurden. Bernhard Geyer musste nun dieses Projekt in alleiniger Initiative bewältigen.

Am 4. August 1931 wurde mit der Ernennung von Heinrich Ostlender zum Sekretär formell das Albertus-Magnus-Institut gegründet, das in den Räumen des alten Kölner Priesterseminars, dem neuen Generalvikariat, unter Leitung von Bernhard Geyer die Arbeit an der Edition aufnahm.

Die Ausgabe unter Geyers Leitung

Das Ausscheiden anderer Einrichtungen bot Geyer nun die Möglichkeit, die neue Ausgabe ganz nach seinen wissenschaftlichen Vorstellungen zu gestalten. Mediävistische Großprojekte der Zeit um 1900 hatten die Tendenz, überkommene Lesegewohnheiten nur sparsam zu korrigieren und die scholastische Tradition ganz auf den Kirchenlehrer Thomas von Aquin hinführen zu lassen. Ähnlich Erwartungen hegte wohl mancher auch für die geplant Albert-Ausgabe. Bernhard Geyer, seit 1927 Professor für Dogmatik, Dogmengeschichte und Patrologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn, war einer anderen Methode verpflichtet. Als Schüler von Clemens Baeumker hatte er sich schon früh mit der Geschichte der Scholastik beschäftigt und bevorzugte gegenüber der neuscholastischen die historisch-philologische Methode. Dies könnte ihn bewogen haben, Einflussnahmen anderer Institute (sei es der Görres-Gesellschaft, sei es des Dominkanerordens) von Anfang an klar auszuschalten.

Die erste und vordringlichste Aufgabe des neu gegründeten Instituts bestand darin, das handschriftliche Material der Werke Alberts so vollständig wie möglich zu erfassen. Dazu wurden bereits vorliegende Handschriftenkataloge gesichtet, es erfolgten anschließend umfangreiche Bibliotheksreisen im In- und Ausland. Insbesondere die anonyme Überlieferung der Werke galt es zu sichten. Das heute noch erhaltene Itinerar der Bibliotheksreisen weist aus, dass bis zum Jahre 1940 742 Bibliotheken ausgewertet wurden. Für die über 70 zu edierenden Werke Alberts konnten in den ersten 20 Jahren, also bis zum Erscheinen des ersten Bandes der „Editio Coloniensis" rund 1900 handschriftliche Zeugen festgestellt und beschrieben werden, fast doppelt so viele wie von Melchior Weiß in den Primordia novae bibliographiae B. Alberti Magni 1905 verzeichnet worden waren.

Aus dem umfangreichen Material wurde in Abgleichung mit alten Werkverzeichnissen eine Scheidung zwischen authentischen und nicht-authentischen Albert-Werken vorgenommen, waren doch in den unkritischen Gesamtausgaben auch viele nicht authentische Werke gedruckt worden. Aus der Liste der als echt anzusehenden Werke wurde der Conspectus für die „Editio Coloniensis" erarbeitet. In ihm wurden die zu edierenden Werke in eine systematische Ordnung gebracht und auf 40 Bände verteilt. Nun galt es für jedes einzelne Werk Echtheit, Überlieferung und Chronologie noch einmal gesondert zu klären.

Dem Institut kam es zu, die Richtlinien zu erstellen, die Materialien bereitzustellen und die Koordination der Projekte vorzunehmen. Für die Einzel-Editionen waren jeweils auswärtige Editoren verantwortlich. Im Jahre 1940 wurden insgesamt 40 Mitarbeiter der Edition genannt. Die wenigsten von ihnen haben das übernommene Projekt tatsächlich zu Ende führen können. Die Unbilden des zweiten Weltkrieges brachten dem Unternehmen große Rückschläge. Die Räume im Generalvikariat in Köln wurden zerstört, ein Teil der Bibliothek vernichtet. Die verbliebenen Materialien wurden ins Kloster Steinfeld in der Eifel ausgelagert. Einzelne Editoren kamen im Krieg um, andere erhielten unter veränderten Bedingungen nach dem Krieg ganz neue Aufgaben. Das einzige für den Druck schon fertig gestellte Manuskript, der Ethikkommentar Alberts, von G. Meersseman vorbereitet, verbrannte 1941 im Verlagshaus Aschendorff in Münster. Auch die schon vorhandenen Papiervorräte für die Ausgabe wurden vernichtet.

Die einzelnen Bände

1951 – genau 300 Jahre nach Erscheinen der „Editio Lugdunensis" – erschien der erste Band der kritischen Gesamtausgabe, der „Editio Coloniensis". Es war das zuvor noch ungedruckte Werk De bono, eine Frühschrift Alberts. Der Text wurde aus fünf von elf bekannten Textzeugen konstituiert; man folgte dabei nicht einfach der vermeintlich besten Handschrift. Eine hohe Zahl an Konjekturen wird gerechtfertigt durch den unabgeschlossenen Charakter dieser Schrift, so dass Fehler schon im Autograph Alberts vermutet werden müssen. Als Kriterium für die Qualität einer Handschrift gibt Geyer die Zuverlässigkeit in wörtlichen Zitaten an. Wäre eine Abweichung vom korrekten Wortlaut genuin, so hätten spätere Abschreiber den Text nach Vorlagen korrigieren müssen. Dies wiederum sei bei der mangelnden Verfügbarkeit von Büchern im Mittelalter unwahrscheinlich. Für die Apparatgestaltung gilt, dass nur aussagekräftige Lesarten vermerkt werden. Einen Überblick über die Qualität der Handschriften ermöglicht die Auflistung aller Varianten für den ersten Artikel des Traktates. Im Quellenapparat werden nur explizite Zitate nachgewiesen. – Ziel ist grundsätzlich die Herstellung eines gesicherten Lesetextes, der der weiteren Forschung dienen soll. Der Variantenapparat ist negativ, d.h. es werden nur Abweichungen vom Haupttext vermerkt. Die lateinische Graphie ist normalisiert gemäß dem Gebrauch der gängigen Wörterbücher, berücksichtigt wird nicht die Vielfalt mittelalterlicher Schreibgewohnheiten.

Bereits 1952 konnte der zweite Band präsentiert werden, Alberts Kommentar zu Jesaja, ediert von Ferdinand Siepmann, und die Fragmente zu Jeremia und Ezechiel, ediert von Heinrich Ostlender. Mit diesem Band ging eine gründliche Untersuchung des von Albert verwendeten Bibeltextes einher. – 1960 und 1964 erschienen als fünfter und sechster Band in der fortlaufenden Zählung der Metaphysikkommentar Alberts, von Geyer selbst fertig gestellt. Für diesen Text liegt mit Palatina Lat. 977 ein Zeuge vor, der angibt vom Autograph Alberts abgeschrieben zu sein. Für den kommentierten Aristoteles-Text wurde die translatio media rekonstruiert. – 1971 folgte als neunter Band De caelo et mundo, ediert von Paul Hoßfeld nach dem Wiener Albert-Autograph.

Alle Bände wurden in der Fachwelt mit regem Interesse aufgenommen und in zahlreichen Rezensionen bewertet. Insgesamt wird die Ausgabe sehr wohlwollend gewürdigt, wenn sich auch immer wieder kritische Stimmen meldeten. 1986 nahm der Mittelalterforscher Luis Jacques Bataillon OP den 1980 erschienenen 15. Band De natura loci, De causis proprietatum elementorum und De generatione (ed. von Paul Hoßfeld) zum Anlass, die Albert-Ausgabe generell zu kritisieren. Geyer sei ein exzellenter Historiker gewesen, aber ein weniger guter Philologe; die Normen, die er erließ schadeten der Edition und es sei höchste Zeit, sie zu ändern. So beklagt er vor allem die viel zu kurzen Einleitungen, aus denen die Gewichtung der Handschriften nicht hinreichend deutlich wird. Damit trifft er den wichtigsten Punkt. Aufgrund der unzureichenden Prolegomena waren die Editoren immer wieder dem Vorwurf der Willkür ausgesetzt. Ja, es wurde sogar vermutet, die Edition würde bevorzugt einem ‚textus receptus’, also jenem Text, der sich in der Tradition bewährt hatte, folgen – also jene Methode anwenden, die Geyer doch gerade abwenden wollte.

Insgesamt sind die einzelnen Bände der Edition, von zahlreichen Editoren erstellt, trotz der vereinheitlichenden Regelungen des Institutes sehr unterschiedlich bewertet worden. Über die Jahre hin wurden viele Forscher mit Editionsprojekten betraut, doch vergleichsweise wenige führten die Arbeit bis zum Druck. So kam es immer wieder vor, dass angefangene Projekte von anderen Editoren übernommen werden mussten, was sich grundsätzlich als ein schwieriges Unterfangen darstellt. Am kontinuierlichsten blieb die Arbeit der festen Mitarbeiter des Institutes. Zu nennen sind vor allem Wilhelm Kübel, Paul Simon, Paul Hoßfeld und Heinrich Ostlender. 23 Bände legte das Institut bis 1993 vor.

Das Institut heute

1954 zog das Albertus-Magnus-Institut nach Bonn in Räume des Collegium Albertinum, des erzbischöflichen Theologienkonvikts, wo es auch heute noch beherbergt ist. Nach dem Tod von Bernhard Geyer im April 1974 übernahm dessen langjähriger Mitarbeiter Wilhelm Kübel die Leitung des Instituts. Ganz im Geiste Geyers führte er die Arbeit über zwanzig Jahre hin weiter, bis zu seinem Tod im September 1994 arbeitete er selbst an der Edition.

Im Juni 1995 wurde Ludger Honnefelder sein Nachfolger. Der Wechsel in der Leitung ging mit einer tief greifenden Reorganisation des Institutes einher. Zunächst wurden zeitlich gestaffelt mehrere bis dahin vakant gebliebene Editorenstellen neu besetzt. Künftig werden die Editionsprojekte nicht mehr an externe Forscher vergeben, sondern in der Regel von den hauptamtlichen Mitarbeitern vor Ort erstellt. Ein wissenschaftlicher Beirat hat die der Ausgabe zugrunde liegenden Regeln zu verantworten und betreut die laufenden Projekte.

Ziel ist die Erstellung eines gesicherten philosophisch-theologischen Lesetextes. Die Editionsarbeit soll weiterhin, Geyers Leitsatz gemäß, von der Ökonomie der Kräfte bestimmt sein, zugleich aber modernen Standards entsprechen. Die Editionsrichtlinien wurden in wesentlichen Punkten beibehalten. Mehr Aufmerksamkeit wird heute aber, wie in den Rezensionen immer wieder gefordert, den Prolegomena gewidmet. Die gesamte handschriftliche Tradition wird beschrieben. Auf der Basis von Probekollationen, von denen ein Beispiel im Anhang an die Prolegomena auch gedruckt wird, wird eine stemmatische Bewertung der Überlieferungslage vorgenommen. Neu eingeführt ist ein Siegelapparat, der auf jeder Seite genau angibt, welche Handschriften zur Textkonstitution herangezogen wurden.

Als zweiter Schwerpunkt des Instituts wurde die Erforschung, Aneignung und Verbreitung des Denkens Alberts des Großen definiert. Durch wissenschaftliche Publikationen, Kongressbeiträge und Lehrveranstaltungen wird dies von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wahrgenommen. Zwei Schriftenreihen hat das Institut neben den Editions-Bänden begründet. In der Lectio Albertina erscheinen die alljährlichen Festvorträge zu Albertus Magnus. In den Subsidia Albertina werden Ergebnisse der Albert-Forschung vorgelegt.

Wenn wir eingestehen, dass so ein Jahrhundertprojekt enorme Kosten verschlingt, so ist die Verantwortung um so größer, eine Ausgabe vorzulegen, die sich auch als ‚epochal’ erweist. Denn sollte sie sich in allzu naher Zukunft als überholt erweisen, wäre das Unternehmen seinem Anspruch nicht gerecht geworden. Die wirklich ökonomische Edition ist die, die sich nicht selbst schon als vorläufig präsentiert. Aufgabe einer historisch-kritischen Edition muss, was die Texterstellung und die Gestaltung des Variantenapparates anbelangt, die verantwortete Auswahl sein. Das intensive Studium der Überlieferungslage befähigt zur Scheidung zwischen aussagekräftigen und wertlosen Varianten, zwischen singulären Verschreibern und die Überlieferung prägenden Fehlern. Dies ist von den Editoren zu leisten. Die für jedes Werk charakteristische Quellenlage ist so sorgfältig wie möglich herauszuarbeiten. – Darüber hinausgehende Untersuchungen zur Rezeptionsgeschichte der Werke mögen der weiteren Forschung überlassen sein.

Literatur

Ein ausführlicherer Beitrag über die Geschichte des Albertus-Magnus-Instituts ist nachzulesen in: Maria Burger, Albertus Magnus und die Editio Coloniensis, in: Annette Sell (Hg.), Editionen – Wandel und Wirkung. (Beihefte zu editio 25), Tübingen (Niemeyer) 2007, 11-31.