21 | 11 | 2017

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Werk

Die Werke des Albertus Magnus

Inkunabeln

Aus der Zeit seiner Pariser Lehrtätigkeit sind uns die ersten großen Werke Alberts überliefert, die zum einen aus dem Unterrichtsbetrieb entstanden, zum anderen aber auch seine weitreichenden Interessen dokumentieren. Neben dem Sentenzenkommentar, dem theologischen Pflichtwerk, ist hier die große Summa de creaturis zu nennen, deren zweiter Teil, der Traktat De homine, die erste umfassende Anthropologie darstellt. Am Generalstudium in Köln kann Albert zwei große Kommentarzyklen beginnen. Es sind dies zum einen seine Kommentare zum Gesamtwerk des Pseudo-Dionysius Areopagita, eines neuplatonisch gebildeten Theologen des 5. Jahrhunderts. Zum anderen startet er das ungeheure Unternehmen, das gesamte aristotelische Schrifttum zu kommentieren und es darüber hinaus um Schriften zu ergänzen, die nach Alberts Auffassung in diesem Wissenschaftssystem fehlen – sei es, daß sie verloren sind, sei es, daß sie von Aristoteles nicht geschrieben wurden. Kann er die Dionysius-Kommentare in Köln abschließen, so beschäftigen ihn die Aristoteles-Kommentare über 20 Jahre. Darüber hinaus schrieb Albert mehrere große Bibelkommentare, unter anderem zu den vier Evangelien. Und an seinem Lebensende wagte er sich noch an das Unternehmen einer theologischen Summe, die aber unvollendet blieb.

Mehr als 70 Werke soll die Gesamtausgabe einmal umfassen, die auf 41 Bände konzipiert ist. Abgesehen von dem enormen Umfang dieses Lebenswerkes bleibt zu vermerken, daß Albert darin in herausragender Weise das Wissen seiner Zeit verarbeitete und auch entlegenste Quellen heranzog.

Editio Lugdunensis

Sind in der handschriftlichen Textüberlieferung in einem Codex maximal einige Werke des Doctor universalis zusammengestellt, und bieten auch die Frühdrucke jeweils Einzelwerke, so ist es das Verdienst der Dominikaner, im 17. Jahrhundert erstmals eine Gesamtausgabe der Werke Alberts des Großen konzipiert und weitgehend auch realisiert zu haben.

Mit Auftrag des Generalkapitels der Dominikaner von 1644 bestellte der Ordensmeister Thomas Turco die Editorengruppe unter Leitung von Petrus Jammy und überwachte den Druck. Die Gesamtausgabe wurde auf 25 Bände berechnet, von denen aber nur 21 erschienen. Der Grund hierfür waren Streitigkeiten mit der Lyoner Druckerei, die schon nach Erscheinen der ersten Bände im Jahre 1648 ausbrachen. 1651 wurde der Druck eingestellt, obwohl die Editorengruppe offensichtlich noch bis 1654 arbeitete. Das von ihnen gefertigte Manuskript der noch fehlenden Bände ist verschollen.

Bemerkenswert für dieses Projekt ist es, daß die Korrespondenz belegt, in welchem Umfang europäische Bibliotheken nach Handschriften der Werke Alberts durchsucht wurden. Leider ist diese Korrespondenz unvollständig erhalten; so fehlt der im Verlauf der Jahre aktualisierte Katalog der Werke Alberts. Er wurde aber vermutlich von Jacobus Quetif und Jacobus Echard 1719 bei der Zusammenstellung der Werke Alberts für die Scriptores Ordinis Praedicatorum noch verwendet.
Wenngleich die Editio Lugdunensis unabgeschlossen blieb und die handschriftlichen Vorlagen leider zum Teil schlecht waren, so wurde hier doch in wenigen Jahren eine beachtliche editorische Leistung vollbracht.

Editio Parisiensis

1890-99 besorgten Auguste und Émile Borgnet einen Nachdruck der Editio Lugdunensis bei Vivès in Paris. In der Einleitung bieten sie das dreigliedrige Werkverzeichnis von Quetif / Echard: Der Editionsplan der gedruckten Editio Lugdunensis wird vorgelegt (XXXIII-LIII); in einer zweiten Liste werden Werke genannt, die durch die Werkkataloge von Ludwig von Valladolid (1414) und Laurentius Pignon (1412) belegt sind (LIV-LIX); schließlich findet sich noch ein Auszug aus dem Werkverzeichnis, das dem Lyoner Editionsprojekt zugrunde lag (LIX-LXV). Ergänzt sind diese Listen durch Angaben darüber, wo das jeweilige Werk Albert zugeschrieben wird und ob Handschriften oder Drucke des Werkes bekannt sind; auch diese Hinweise stammen schon von Quetif / Echard. Diese Werkverzeichnisse haben jedoch keine ergänzende Funktion für den Umfang der Ausgabe gefunden. Zu dieser Pariser Edition vermerkt Wilhelm Kübel, früherer Direktor des Albertus-Magnus-Instituts: „Überdies haben die Herausgeber die Zuverlässigkeit des Textes noch dadurch vermindert, daß sie die Bibelstellen nach der Sixto-Clementina sowie Zitate aus den Vätern veränderten und schwierige Stellen durch willkürliche Konjekturen zu bessern versuchten.“

Einzelausgaben

Neben der Editio Parisienis gab es wiederum nur Einzelausgaben. Zu nennen sind De vegetabilibus, ediert 1867 von Karl Jessen und Ernst Meyer, De animalibus, in zwei Bänden 1916 und 1920 ediert von Hermann Stadler, und schließlich als Erstdruck der Kommentar zum Buch Iob, ediert 1904 von Melchior Weiß. Diese Ausgaben sind erstmals kritisch auf der Basis mehrerer verfügbarer Handschriften erstellt. De animalibus kommt dabei eine besondere Stellung zu, ist dieses Werk doch nach dem Kölner Autograph ediert. Trotz mancher Mängel, die diesen Ausgaben sicher noch anhaften, war nun der Weg gewiesen zu einer anderen, wissenschaftlich verantworteten Textgestalt.

Editio Coloniensis

Im Jahre 1931 wurde mit der Gründung des Albertus-Magnus-Instituts eine neue kritische Gesamtausgabe der Werke Alberts nach modernen Standards der Textkritik begonnen. Band um Band werden seit 1951 die Werke Alberts in historisch gesicherten Ausgaben, versehen mit text- und quellenkritischen Anmerkungen der wissenschaftlichen Welt zur Verfügung gestellt.