„Schwerbehindert“ - was heißt das?

 
In den letzten Jahren auf das Thema „Leben mit Behinderungen“ verstärkt in den Blick genommen.
In der Regel will keiner behindert sein oder auch behindert werden, geschweige denn schwerbehindert.
Dennoch kennt jeder Mensch Situationen, in denen er an seine Grenzen kommt und in seinem alltäglichen Leben behindert wird. Ob eine Person als schwerbehindert gilt, hängt mit der Dauer und Intensität der Behinderung zusammen.
 
Neben Menschen mit so genannten angeborenen geistigen oder körperlichen Behinderungen, die von klein an lernen müssen mit dieser Behinderung umzugehen, werden viele andere Menschen erst durch Unfälle oder durch somatische Erkrankungen, wie beispielsweise Krebs, aber auch durch psychische Erkrankungen behindert. Auch jede Erkrankung, die länger als ein halbes Jahr anhält, wird als Behinderung bezeichnet. Inwiefern diese Behinderung als „Schwerbehinderung“ gilt, hängt wiederum mit den existentiellen Einschränkungen zusammen, die eine solche Behinderung mit sich bringt.
 
Als schwerbehindert gelten Menschen, bei denen ein Grad der Behinderung von mindestens 50 festgestellt wurde.
Ein Antrag zur Feststellung einer Schwerbehinderung wird bei den Kommunen eingereicht.
Antragsformulare gibt es dort oder bei den Schwerbehindertenvertretern und bei den Behindertenverbänden.
 
Patienten und Patientinnen im Krankenhaus oder in einer Rehaklinik  können sich vom dortigen Sozialdienst beraten lassen oder dort auch den Antrag stellen.
Nach dem Feststellungsbescheid wird ein Ausweis ausgestellt, der den Grad der Behinderung, aber keine Krankheitsinformation enthält. Es gibt lediglich Merkzeichen, z.B. G – erhebliche Gehbehinderung
  • aG - z. B. bei Querschnittgelähmten, Doppelamputierten oder auch Menschen, die aufgrund einer Herz- oder Atemwegserkrankung Einschränkungen haben
  • Bl – Blindheit
  • Gl – Gehörlos
  • B – Notwendigkeit ständiger Begleitung
  • H – Hilflosigkeit wird bei Vorliegen der Pflegestufe 3 eingetragen.
 Ein Schwerbehindertenausweis ist zunächst 5 Jahre gültig und kann dann verlängert werden.
 
Während bei 90jährigen Menschen Sehstörungen oder auch Schwerhörigkeit als „normal“ gelten und selbstverständlicher damit umgegangen wird, kommen bei jüngeren, im Berufsleben stehenden Menschen noch ganz andere Probleme dazu:
  • Unverständnis bei Gleichaltrigen (andere können sich oft nicht wirklich einfühlen, je nach Behinderung kommen „Behinderte“ immer wieder in  Situationen, in denen sie erklären müssen, warum sie etwas nicht können),
  • Existentielle Ängste
  • Angst, im Beruf nicht mehr konkurrenzfähig zu sein
  • Scham und Angst vor Attraktivitätsverlust,
  • andere Anpassungsstörungen bei plötzlich eintretenden Behinderungen 
 
Auch wenn sich die wenigsten Menschen mit Behinderungen ihr „Schicksal“ freiwillig aussuchen würden und es nicht darum gehen kann, eine Lebenssituation, die durch Behinderungen geprägt ist, schön zu reden, so bringen Behinderungen Erfahrungen mit sich, die sich nicht nur für die Betroffenen als sehr wertvoll erweisen können.
 
Damit Behinderungen Menschen nicht zu stark belasten und zu einem Leben am Rande der Gesellschaft oder gar im Elend führen, sondern dass Betroffene lernen kreativ Behinderungen in ihr Leben zu integrieren, ist es wichtig Lebens- und Arbeitsbedingungen zu schaffen, die dies ermöglichen.
 

Vorteile des Schwerbehindertenausweises

 
Schwerbehinderte Menschen sind in besonderem Maße vor Kündigungen geschützt. Der Schutz gilt auch, wenn ein Verfahren anhängig ist und die Kommune nach Ablauf einer Frist – in der Regel 3 Wochen – noch keine Entscheidung getroffen hat, unter der Maßgabe, dass der Antragsteller selbst nicht für Verzögerung sorgt.
 
Weitere Vorteile: Eine Woche mehr Urlaub; ein Steuerfreibetrag (gestaffelt nach dem Grad der Behinderung)
Neben dem Steuerfreibetrag können beim Finanzamt noch außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden für Krankheit, Heilkuren, Heim- u. Pflegeunterbringung und häusliche Pflege.
Ab einem Grad der Behinderung von 70 % oder 50 % und Merkmal G können bei der Steuererklärung für die Fahrt zwischen Arbeitsplatz und Wohnung die tatsächlichen Kosten geltend gemacht werden oder eine Pauschale von 30 Cent je Kilometer.
Altersrente: bei einem Grad der Behinderung von mindestens 50 % und Mindestversicherungszeit von 35 Jahren kann ohne Abschläge die Rente zwei Jahre früher bezogen werden.
(Die Informationen sind aus dem Heft „Ratgeber für schwerbehinderte Menschen. Informationen zu Antragsverfahren und Hilfen“ vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen; info@mags.nrw; www.mags.nrw.de )
 
Entsprechend dazu gibt es die Uno-Konvention zum Schutz der Rechte von Berhinderten - Humanrights sowie die Gleichstellungsgesetze für Menschen mit Behinderungen in der Bundesrepublik Deutschland, die dies als Ziel haben. 
Unser christliches Menschenbild findet sich somit in den völkerrechtlichen und staatlichen Gesetzen wieder.
 
Für die Kirche als Institution, ist es deshalb gemäß ihrem christlichen Menschenbild nicht nur wichtig, Menschen mit Behinderungen in den Gemeinden die gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen und ihnen qualifizierte Seelsorge bei Bedarf zur Seite zu stellen (Aufgabe der Behindertenseelsorge), sondern auch kirchlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen mit Behinderungen, die per Gesetz zustehenden Rechte einzuräumen und darüber hinaus der Glaubwürdigkeit halber für ein Klima zu sorgen:
 
  • in dem Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sich trauen zu ihren Behinderungen zu stehen und sich nicht dafür schämen müssen, geschweige denn Angst haben, deshalb benachteiligt zu werden,
  • in dem generell Achtung vor den Grenzen der Mitarbeitenden besteht,
  • in dem die Erfahrungskompetenzen von Miterarbeitenden mit „Behinderungen“ genutzt werden, indem sie mit ihren Erfahrung gehört, ernst genommen und dialogisch einbezogen werden bei Stellenneubesetzung, aber auch bei Fragen, in denen Sie durch ihre Erfahrungen von Behinderung besondere Sichtweisen und Kompetenzen erlangt haben.  
 
So selbstverständlich dies alles vielleicht klingen mag, das Selbstbild von pastoralen Mitarbeitenden (mit auf Blick Belastbarkeit, Rolle etc.) bedarf bei weiterer Umsetzung sicherlich manch eines Umdenkens, das der ganzen Kirche zugute käme.
 
Unsere Aufgabe als Schwerbehindertenvertreterinnen ist es, das Thema der Behinderung auch unter KollegInnen wach zu halten. Wir möchten Ansprechpartnerinnen sein für KollegInnen und Brückenbauerinnen zwischen Ihnen/Euch und dem Erzbistum sein. Es kann immer sein, dass aufgrund einer Behinderung sich die Arbeitsfähigkeit verändert und Einschränkungen da sind. Unser Angebot ist da, sprecht uns an. Wir sichern Vertraulichkeit und Verschwiegenheit zu.
 

 

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